Landwirte gehen auf die Straße

Augsburg, 12.01.2020 · hier geht's zum politischen Statement · Bericht und Medien: Stephan Hille


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Die Landwirte sind enttäuscht, wütend und fühlen sich im Stich gelassen. So zeichnet sich das Bild, dass ich heute gewinnen durfte. Ein Bild, dass nachdenklich darüber stimmt, wie wir Verbraucher denken und handeln.

Heute sind Landwirte durch Augsburg gefahren, ein Konvoi von mehreren hundert Teilnehmern samt Fahrzeugen. Ich war ab der Dieselstraße dabei und konnte mit einem Landwirt ins Gespräch kommen.

Politik versagt an mehreren Stellen

Die Landwirte beklagen hohe Auflagen, zu viel Bürokratie, zu wenig Lohn und machen sich Sorgen um die Zukunft. Landwirte fühlen sich von der Politik abgehängt, verraten und im Stich gelassen. Denn, die Zukunft der Landwirte hängt auch davon ab, ob Verbraucherinnen/ Verbraucher bereit sind, für Lebensmittel mehr Geld auszugeben. Allerdings stelle ich fest, dass die Politik nicht immer auf der Seite jener steht, die für uns alle arbeiten, sondern eher auf Seiten der Industrie steht, die uns mit billigen Nahrungsmitteln überschwemmen (Nestle, um ein Konzern beim Namen zu nennen).

Die Landwirte müssen von den Erzeugnissen vieles stämmen, sei es der Hof, Personal, Fahrzeuge, Tiere und deren Versorgung, Steuern, Gebühren und schließlich die eigene Existenz. Das geht, so viele Stimmen, nicht wenn die Preise für Landwirtschaftliche Erzeugnisse gedrückt werden, so dass die Erzeuger nicht davon profitieren.

Landwirte mehrheitlich friedlich

Trotz der mehrheitlichen Wut im Bauch waren die angetroffenen Landwirte freundlich und friedlich. Denn sie wollen erreichen, dass man ihnen ZUHÖRT. Im Gepräch mit der Polizei begrüsst man diese Demonstration und ist überzeugt, dass es zu keine Auschreitungen kommen wird. Obwohl ich anfänglich wenig Polizeikräfte sah, erfuhr ich seitens der Einsatzleitung, dass ausreichend Einsatzkräfte da seien.

Beeindruckende Masse

Betrachtet man das Gesamtbild aus einer höheren Perspektive, so erkennt man, dass es den Landwirten ernst ist. Einige Landwirte sagten, dass die regionalen Bauern verdrängt werden durch Importe. Große Unternehmen kaufen sich bei ausländischen Erzeugern ein damit die Verbraucher weniger für Lebensmitteln ausgeben müssen. Ein Preiskampf der zu Lasten der Landwirte ausgetragen wird. Jeder Supermarkt versucht der billigste zu sein. HOHE QUALITÄT für LAU?

HOHE QUALITÄT für WENIG GELD?

Die Verbraucher stellen hohe Ansprüche für Qualität, sind aber nicht bereit entsprechend angemessen zu bezahlen. Mit dieser Einstellung gewinnen Konzerne, nicht aber die Landwirte. Qualität hat seinen Preis, muss seinen Preis haben und der muss fair sein. So dass alle davon Profitieren, vor allem die, die jeden Tag dafür aufstehen und arbeiten!

Ein Richtungswechsel wäre durchaus angemessen, weniger Industrie mehr Landwirtschaft. Denn wer gesund Leben möchte, sollte den regionalen Landwirten mehr vertrauen als den Werbeversprechungen der Industrie. Denn die Industrie, also Nestle voran, versprechen so einiges (Nachhaltigkeit, verfolgbare Lieferketten, gute Arbeitsbedingungen, beste Qualität und BILLIG). Aber dieses Versprechen wird mehrfach gebrochen (wir berichteten im Wiki).

BIO will jeder, aber es soll trotzdem Billig sein - das geht so nicht.

Das Echo

Ich sprach mit der Polizei, mit Landwirten, mit Passanten und mit Pressevertretern - in einem Punkt ist man sich einig. Es muss was passieren, und da muss man alle ins Boot holen, denn nur dann erreicht man auch was. Und das Echo wird Wellen schlagen. Ich konnte Passanten sehen die ihren Daumen hoch hielten, es gab keine negative Kritik, sondern jeder befragte befürwortete den Demonstrationszug und äußerte sich wohlwollend den Landwirten gegenüber.

Das sind die Forderungen

Politik

Das die Politik mehrheitlich wegschaut ist bundesweit bekannt. Die Politik interessiert sich scheinbar nicht für die Sorgen und Probleme seiner Bürgerinnen und Bürger, Landwirte, Ärzte, Polizei usw. - aber versucht alles zu Regeln (nicht immer zum Vorteil der Bürgerinnen/ Bürger). Neue Verbote, Beschränkungen, Hürden, Auflagen, Steuern und und und ..... aber zuhören will die Politik mehrheitlich nicht! Mit dieser gefährlichen Ignoranz sind in anderen Teilen der Welt Bürgerkriege entstanden!

Die Politik täte gut daran, sich für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger einzusetzen, zuzuhören und nicht immer Bla bla bla zu machen ohne sicht- und fühlbare Ergebnisse!

Aber auch die Verbraucherinnen/ Verbraucher können was aktiv tun. Die Industrie boykottieren, mehr regionale Produkte einfordern zu und die Bereitschaft auch mehr zu bezahlen. Also Druck ausüben, zusammenhalten und gemeinsam Hand in Hand auf die Straße gehen für Gerechtigkeit und Fairness.

Fridays for Future und Greta Thunberg

Fridays for Future will mehr Klimaschutz? Dann aber hätte sie heute mitmachen müssen, hier in Ausgburg an die Seite der Landwirte - denn Landwirtschaft ist klimafreundlicher als Industrie, gesünder als Industrie. Aber ich hatte den Eindruck, dass Fridays for Future nicht dabei war/ dabei sein wollte.

Wo ist denn die 17-jährige Greta Thunberg? War es sie, die lautstark für mehr Klimaschutz appellierte! Nicht da!

Rathausplatz

Ich war, gemeinsam mit Polizei, Traktoren und Landwirten an forderster Front als es Richtung Rathaus ging. Auch hier sah ich überwiegend positivie Reaktionen und neugierige Blicke. Kein aggressives Hupen von Autofahrern (Erinnerung: Anti-Nazi-Demos, da waren die Autofahrer teilweise genervt). Scheinbar ist die Sympatie mit den Landwirten größer als ich es vermutete. Sogar einige Jugendliche auf Tretroller zeigten kleine Kunststücke neben den Traktoren.

Um eine bessere Perspektive zu bekommen durfte ich sogar auf mehreren Traktoren stehen - dies beweist die Freundlichkeit und die Friedliche Absichten der Teilnehmer. Keine Anspannung, sondern Entspannung, will man auf Kernprobleme aufmerksam machen und Gehör verschaffen. Ob Politiker kommen, Söder voran, ist fraglich.

Galerie

Schlusswort

Gesamtheitlich betrachtet eine imposante friedliche Demonstration, und ich hoffe dass es so bleiben wird. Auch hoffe ich, dass die Politik endlich anfängt sich dafür stark zu machen, dass es allen gut geht, dass es fairer wird und dass Landwirte entlastet statt belastet werden.

Stephan Hille für Augsburg


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